Wenn es Anfang November früh dunkel wird, ziehen in vielen Orten Kinder mit leuchtenden Laternen durch die Straßen. Der Martinstag am 11. November gehört zu den beliebtesten Bräuchen im Herbst – obwohl er kein gesetzlicher Feiertag ist. 2026 fällt er auf einen Mittwoch. Woher kommt der Tag, was hat es mit Gans, Laterne und Mantel auf sich, und warum beginnt ausgerechnet am 11.11. der Karneval?
Wer war der heilige Martin?
Martin wurde um das Jahr 316 in Savaria geboren, dem heutigen Szombathely in Ungarn. Als Sohn eines römischen Offiziers trat er schon jung in die Armee ein und diente als Soldat in Gallien. Später ließ er sich taufen, verließ das Militär und gründete in Ligugé eines der ersten Klöster des Abendlands. 371 wurde er zum Bischof von Tours gewählt. Martin starb am 8. November 397 und wurde am 11. November beigesetzt – an diesem Tag wird seither seiner gedacht.
Martin von Tours gehört zu den ersten Heiligen, die nicht als Märtyrer verehrt wurden, sondern wegen ihres Lebens. Er ist unter anderem Schutzpatron der Armen, der Reisenden und der Soldaten – und der Namenspatron aller, die Martin oder Martina heißen.
Die Mantelteilung: die bekannteste Szene
Der Legende nach ritt Martin an einem eisigen Wintertag durch das Stadttor von Amiens. Dort saß ein frierender Bettler, dem niemand half. Martin hatte nichts bei sich außer seinen Waffen und seinem Soldatenmantel. Mit dem Schwert teilte er den Mantel und gab dem Mann eine Hälfte. In der folgenden Nacht, so erzählt es sein Biograf Sulpicius Severus, erschien ihm Christus im Traum – bekleidet mit dem halben Mantel.
Diese Szene ist bis heute das Bild des Martinstags: Bei vielen Umzügen reitet ein Darsteller in rotem Mantel voran, und auf Spielplätzen und in Kindergärten wird die Mantelteilung nachgespielt.
Warum gibt es am Martinstag eine Gans?
Auch dafür gibt es eine Legende: Als die Bürger von Tours Martin zum Bischof machen wollten, soll er sich aus Bescheidenheit in einem Gänsestall versteckt haben. Die schnatternden Gänse verrieten ihn – und landen seither am 11. November im Ofen.
Der handfestere Grund liegt im Kalender: Der Martinstag war über Jahrhunderte ein wichtiger Termin im bäuerlichen Jahr. Das Wirtschaftsjahr endete, Pacht und Zinsen wurden fällig, Knechte und Mägde wechselten die Stelle. Oft wurde mit Naturalien bezahlt – auch mit Gänsen, die im Herbst gut genährt waren. Zudem begann nach dem Martinstag früher eine Fastenzeit vor Weihnachten. Ein letztes üppiges Festessen kam da gerade recht.
Laternen, Martinsfeuer und Weckmänner
Der Laternenumzug ist heute der Mittelpunkt des Martinstags. Die Lichter erinnern an Martin als jemanden, der Licht ins Dunkel brachte – und passen zur Jahreszeit, in der die Tage merklich kürzer werden. Je nach Region gehören weitere Bräuche dazu:
- Martinsfeuer: Am Ende des Umzugs brennt vielerorts ein großes Feuer.
- Weckmann oder Stutenkerl: Das Gebäck aus Hefeteig in Menschengestalt wird vor allem im Rheinland und in Westfalen verteilt.
- Martinssingen: Kinder ziehen mit Laternen von Haus zu Haus, singen Martinslieder und bekommen Süßigkeiten – im Rheinland vielerorts auch „Gripschen“ genannt.
- Martinsgans: In vielen Familien und Gasthäusern kommt rund um den 11. November Gänsebraten mit Rotkohl und Klößen auf den Tisch.
Der 11.11. und der Karneval
Dass die Karnevalssession am 11.11. um 11:11 Uhr beginnt, hängt ebenfalls mit dem Martinstag zusammen. Da danach früher gefastet wurde, feierte man vorher noch einmal ausgelassen – ähnlich wie vor der Fastenzeit vor Ostern. Hinzu kommt die Elf als „Narrenzahl“: Sie steht eine Zahl über der Zehn der Gebote und eine unter der Zwölf der Apostel – also für das Maßlose, Verrückte. Der eigentliche Straßenkarneval beginnt allerdings erst nach dem Dreikönigstag.
Ist der Martinstag ein Feiertag?
Nein. Der Martinstag ist in keinem Bundesland ein gesetzlicher Feiertag – Schulen, Behörden und Geschäfte haben ganz normal geöffnet. Die Umzüge finden deshalb meist am Abend statt, oft auch an den Tagen rund um den 11. November. Die genauen Termine veröffentlichen Kitas, Schulen und Gemeinden.
| Jahr | Martinstag | Wochentag |
|---|---|---|
| 2026 | 11. November | Mittwoch |
| 2027 | 11. November | Donnerstag |
| 2028 | 11. November | Samstag |
Namenstag Martin
Wer Martin heißt, feiert am 11. November Namenstag. Ein schöner Anlass für ein persönliches Geschenk – zum Beispiel ein Shirt mit dem eigenen Namen. Welche Gedenk- und Namenstage es im November sonst noch gibt, zeigt unsere Übersicht der Feier-, Gedenk- und Aktionstage im November.


